Lyrics · Gedichte · Texte by Jost Schalling
Andacht zweier Seelen
Schau her "Du Welt", ich bin geboren, komm zeig mir deinen Glanz,
in Vaters Spuren groß geworden, steh ich jetzt oben ganz,
fand Schutz im Elternhause, ward an der Hand geführt,
kenn Elend nicht - nur Sause, hab allerlei studiert.
Ich bin der Goliath der Nation und überall bekannt,
warum nur wird, wenn ich erschein, so schnell davon gerannt?
Ich bin doch wer, ich stell was dar - da gibt es eben Neider,
wenn ihr das nicht verstehen könnt, kann ich´s nicht ändern, leider.
In meinen Kreisen schätzt man mich, mit Geld geht alles leichter,
nur hier an meinem Krankenbett, bin ich wohl nicht erreichbar.
Mein Luxusschlitten ist jetzt hin, als Schrott hing er am Haken,
vom Graben aus sah ich sie noch, an mir vorüber jagen.
Ein wenig Wärme wär nicht schlecht, in meinem kalten Zimmer,
so ungerecht geht´s eben zu, so ungerecht ist´s immer.
Vorbei geschrammt am Lebensziel, hängt er am seidnen Faden,
es heilt die Zeit die Wunden ihm, doch wird sein Geist sich laben?
Schau her "Du Welt", ich bin geboren, komm zeig mir deinen Glanz,
ich kenne meinen Vater kaum, doch Mutters Sorgen ganz.
Bei Opa Manfred wuchs ich auf, der Mann war echt auf Draht,
stand uns das Wasser bis zum Hals, er half mit Rat und Tat.
Das Handwerk lernte ich von ihm, kann jetzt fast alles bauen,
bin gern gesehen im Freundeskreis, tut gut, dass sie vertrauen.
Zu klein die Kinderschuhe, der Horizont so weit,
trag stolz die Memoiren des Lebens schönster Zeit,
Wenn ich in meinen Kreisen, für Kundschaft etwas richte,
schleicht sich mitunter Schwermut ein, weil leidvoll manch Geschichte.
Der Bulli bringt ein Autowrack, vom Typ nicht anzugeben,
erleichtert las ich im Bericht, der Fahrer ist am Leben.
Ich kenn ihn nicht doch wünsch ich ihm, recht baldiges genesen,
auch wenn er mir ein Fremder ist, er ist ein lebend Wesen.
Sattelfest mit sichrer Hand, das Herz am rechten Fleck,
dem Andern helfen in der Not, das ist des Lebens Zweck.
Info:
Geschrieben von Jost Schalling · Chemnitz
